Neben den zahlreichen Inschriften, Malereien und Reliefs an Tempelwänden und den Gräbern sind uns Nachrichten über die altägyptischen Tempel und Priester vor auch in schriftlichen Quellen überliefert. Eine erst in jüngster Zeit entdeckte, aber noch nicht vollständig wissenschaftlich aufgearbeitete Quelle ist das sogenannte "Buch vom Tempel". In verschiedenen Museen (Aberdeen, Ann Arbour, Berlin, Florenz, Heidelberg, Kopenhagen, London, Manchester, New Haven, Oslo, Oxford, Paris, St. Louis und Wien) lagern Fragmente des Textes aus unterschiedlichen Handschriften, verfasst auf hieratisch, demotisch und griechisch. Das Textstudium legt jedoch nahe, dass der Inhalt wesentlich älteren Ursprungs, möglicherweise bereits aus dem Mittleren Reich, ist. Es handelt sich um eine Art Handbuch über den Bau und Betrieb eines Tempels, die Pflichten und Verhaltensregeln der Priester, das laut Forschermeinung über Jahrhunderte gültig war.
Spätere Chronisten:
- Herodot (5. Jh. v. Chr.):
Bei der Nutzung seiner Aufzeichnungen ist allerdings zu beachten, dass er im 5. Jh. v. Chr. schrieb, also bereits in der Spätzeit ägyptischer Kultur, und sein Wissen vermutlich zumeist nur aus zweiter bzw. dritter Hand erhielt, auch wenn er behauptet, direkt mit Priestern gesprochen zu haben. Er selbst sprach kein Ägyptisch, und tatsächliche Abläufe mischen sich sehr oft mit im Umlauf befindlichen Anekdoten, wie auch bei modernen Reiseschriftstellern.
- Hekataios von Abdera (um 300 v. Chr.):
Er war ein griechischer Historiker und Philosoph, der in Ägypten lebte und auf Veranlassung König Ptolemaios I. schrieb. Er idealisiert die ägyptische Kultur und stellt die damals bekannte Geschichte so dar, als ob jedwede Kultur und Wissenschaft ihren Ursprung in Ägypten gehabt habe.
- Diodorus Siculus (1. Jh. v. Chr.):
Diodorus war wie Herodot Grieche, lebte aber einige Zeitlang im damals ptolemäisch beherrschten Ägypten. In seinem Werk erklärt er, die "grundlosen Nachrichten Herodots und ähnlicher Schreiber" nicht beachten zu wollen, sondern sich direkt an die Aufzeichnungen der ägyptischen Priester halten zu wollen. Dennoch benutzt auch er Quellen, deren Wahrheitsgehalt nicht hundertprozentig ist. Zu seinen Quellen zählte auch Hekataios von Abdera.
- Plutarch (46 n. Chr. - ca. 120 n. Chr.)
Plutarch war ein griechischer Gelehrter und Geschichtsschreiber. In seinem Werk "Über Isis und Osiris" befasst er sich mit diesem speziellen Kult - dem hellenistischen Hauptkult - und seinen Priestern.
- Porphyrious (um 233 - 301/305 n. Chr.)
Porphyrios war ein neuplatonischer Philosoph, Schriftsteller und Gegner des Christentums. In seiner Schrift "Über die Enthaltung vom Beseelten" verteidigt er eine asketische Lebensweise, zu der auch vegetarische Ernährung gehöre. Dass er auch der ägyptischen Religionspraxis durchaus kritisch gegenüberstand, zeigt sich in seinem "Brief an Anebo", einen (fiktiven?) ägyptischen Priester. Porphyrios stammte vermutlich aus Syrien, studierte in Athen und starb in Rom.